Wie soll unser erstes Modell beschaffen sein?
Liebe Einsteiger, wenn Ihr Euch unbedingt schwer zu fliegende
Kunstflugmodelle oder Jets kaufen wollt, oder Euch die schönen
Jagdmaschinen des WWII nicht aus dem kopf gehen, dann kauft
sie Euch. Ihr könnt sie auch fertig bauen, aber dann hängt sie
bitte brav an die Decke. Lasst den Flieger dort hängen bis Ihr
2 Stufen weiter seid!Der erste Flieger sollte nach
einigen verschiedenen Kriterien ausgesucht werden, das
Aussehen ist eines der unwichtigeren.
- Der Bauaufwand
Als Anfänger haben wir noch nicht viel Ahnung über das
Handwerkliche und das Bauen von Flugmodellen, daher ist es
sinnvoll, ein einfach zu bauendes Modell zu suchen. Ein
Fastfertig-Modell (ARF=almost ready to fly) muss es aber
auch nicht sein.
Wer Lust am Bauen hat soll dies ruhig tun, nur die
schwierigsten Holzkonstruktion sind eher frustrierend als
lehrreich und nur nach Plan zu bauen ist noch schwerer.
Ein einfach zu bauender Baukasten mit übersichtlichen
Bauteilen und einer ausführlichen und guten Bauanleitung
ist empfehlenswert.
- Die Flugeigenschaften
Das Modell sollte gute Flugeigenschaften besitzen, d.h. es
sollte sich möglichst selbst stabilisieren: wenn wir eine
Kurve fliegen und den Steuerknüppel loslassen sollte das
Modell von selbst eine einigermaßen neutrale Fluglage
einnehmen und wieder waagerecht geradeaus fliegen.
Ungeeignet hierfür sind die meisten Querrudermodelle, da sie
normalerweise ein neutrales Flugverhalten haben. Das
bedeutet, dass sie die gesteuerte Fluglage beibehalten. Jede
Schräglage muss durch Gegensteuern wieder korrigiert werden.
Außerdem sollte unser Modell langsam fliegen. Je langsamer
das Modell fliegt, umso mehr Zeit haben wir zu reagieren und
zu überlegen wohin und wie wir Steuern müssen. Das ist wie
beim Autofahren: ohne Fahrkenntnisse würde wohl jeder, der
sich in einen Porsche setzt und Gas gibt diesen zu Schrott
fahren, ein kleines Auto das auf 6Km/h gedrosselt ist, würde
wahrscheinlich überleben und der Anfänger kann die
wesentlichen Dinge lernen bevor er dann auf andere Modelle
umsteigt.
Ganz wichtig ist auch ein gutmütiges Flugverhalten.
Viele Anfänger neigen dazu das Modell zu Überziehen (zu
langsam zu machen). Ein Modell, das mit einem heftigen
Strömungsabriss reagiert, ist nicht anfängertauglich.
- Die Stabilität
Nach den Flugeigenschaften ist der wichtigste Punkt bei
einem Anfängermodell die Stabilität.
Ein Einsteiger, der noch nie geflogen ist, wird ein
Anfängermodell möglicherweise auf Anhieb in der Luft halten
können, doch die Landung ist unausweichlich und die meisten
Landungen von Anfängern sind keine Landungen, sondern
mittlere Abstürze.
Bitte überschätzt Euch nicht, ich kenne niemanden der auf
Anhieb landen konnte. Möglicherweise gelingt es Euch beim
ersten Mal einigermaßen gut runter zu kommen, vielleicht
auch ein zweites Mal aber spätestens dann erwischt euch ein
Windhauch oder ihr verschätzt Euch, überzieht oder lenkt zu
stark und der Vogel schlägt unsanft ein. Das Schicksal eines
jeden Anfängermodells ist der Absturz, das gehört dazu!
Es gilt nur, den Flieger so auszuwählen das er möglichst
viele Abstürze überlebt. Obwohl ich kein Fan von den ganzen
Plastik- und Styropormodellen bin, ist das optimale Material
für einen Anfängerflieger EPP (Expanded Poly
Propylen). EPP sieht ähnlich aus wie Styropor und wird auch
eigentlich auf die gleiche Wiese hergestellt.
Polypropylen ist ein sehr zähelastischer Kunststoff der in
Form des EPP so zäh ist das man mit dem Auto über eine
Tragfläche fahren kann ohne diese zu zerstören. Das Material
verformt sich, geht aber wieder in seine Originalform
zurück. Styropor bricht und reißt sehr leicht, EPP hält ein
vielfaches mehr aus bevor es reißt. Es bildet auch keine
Knautschungen und Dellen, da das Material immer wieder in
seine Form zurück geht.
- Die Optik
Natürlich muss uns unser Modell auch gefallen, aber das
Aussehen ist am Anfang wirklich nicht der wichtigste Punkt.
Was nützt es, ein wunderschönes Scale-Modell (vorbildgetreu)
zu bauen, das auf Grund der schwierigen Flugeigenschaften
nur ganze fünf Sekunden in der Luft bleibt und dann
senkrecht im Boden steckt. Eine Reparatur -falls möglich-
führt meistens dazu, dass die Originaltreue schnell dahin.
Es wäre allzu schade, wenn der Modellflieger wegen dieser
einen schlechten Erfahrung frustriert das ganze Hobby an den
Nagel hängt, nachdem er Hunderte von Euro ausgegeben hat.
Tut euch das nicht an! Geht nach den hier aufgeführten
Kriterien vor und ihr werdet den größeren Erfolg haben.
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