Modellauswahl 
Wie soll unser erstes Modell beschaffen sein?
Liebe Einsteiger, wenn Ihr Euch unbedingt schwer zu fliegende Kunstflugmodelle oder Jets kaufen wollt, oder Euch die schönen Jagdmaschinen des WWII nicht aus dem kopf gehen, dann kauft sie Euch. Ihr könnt sie auch fertig bauen, aber dann hängt sie bitte brav an die Decke. Lasst den Flieger dort hängen bis Ihr 2 Stufen weiter seid!

Der erste Flieger sollte nach einigen verschiedenen Kriterien ausgesucht werden, das Aussehen ist eines der unwichtigeren.

  1. Der Bauaufwand
    Als Anfänger haben wir noch nicht viel Ahnung über das Handwerkliche und das Bauen von Flugmodellen, daher ist es sinnvoll, ein einfach zu bauendes Modell zu suchen. Ein Fastfertig-Modell (ARF=almost ready to fly) muss es aber auch nicht sein.
    Wer Lust am Bauen hat soll dies ruhig tun, nur die schwierigsten Holzkonstruktion sind eher frustrierend als lehrreich und nur nach Plan zu bauen ist noch schwerer.
    Ein einfach zu bauender Baukasten mit übersichtlichen Bauteilen und einer ausführlichen und guten Bauanleitung ist empfehlenswert.
     
  2. Die Flugeigenschaften
    Das Modell sollte gute Flugeigenschaften besitzen, d.h. es sollte sich möglichst selbst stabilisieren: wenn wir eine Kurve fliegen und den Steuerknüppel loslassen sollte das Modell von selbst eine einigermaßen neutrale Fluglage einnehmen und wieder waagerecht geradeaus fliegen. Ungeeignet hierfür sind die meisten Querrudermodelle, da sie normalerweise ein neutrales Flugverhalten haben. Das bedeutet, dass sie die gesteuerte Fluglage beibehalten. Jede Schräglage muss durch Gegensteuern wieder korrigiert werden.
    Außerdem sollte unser Modell langsam fliegen. Je langsamer das Modell fliegt, umso mehr Zeit haben wir zu reagieren und zu überlegen wohin und wie wir Steuern müssen. Das ist wie beim Autofahren: ohne Fahrkenntnisse würde wohl jeder, der sich in einen Porsche setzt und Gas gibt diesen zu Schrott fahren, ein kleines Auto das auf 6Km/h gedrosselt ist, würde wahrscheinlich überleben und der Anfänger kann die wesentlichen Dinge lernen bevor er dann auf andere Modelle umsteigt.
    Ganz wichtig ist auch ein gutmütiges Flugverhalten. Viele Anfänger neigen dazu das Modell zu Überziehen (zu langsam zu machen). Ein Modell, das mit einem heftigen Strömungsabriss reagiert, ist nicht anfängertauglich.
     
  3. Die Stabilität
    Nach den Flugeigenschaften ist der wichtigste Punkt bei einem Anfängermodell die Stabilität.
    Ein Einsteiger, der noch nie geflogen ist, wird ein Anfängermodell möglicherweise auf Anhieb in der Luft halten können, doch die Landung ist unausweichlich und die meisten Landungen von Anfängern sind keine Landungen, sondern mittlere Abstürze.
    Bitte überschätzt Euch nicht, ich kenne niemanden der auf Anhieb landen konnte. Möglicherweise gelingt es Euch beim ersten Mal einigermaßen gut runter zu kommen, vielleicht auch ein zweites Mal aber spätestens dann erwischt euch ein Windhauch oder ihr verschätzt Euch, überzieht oder lenkt zu stark und der Vogel schlägt unsanft ein. Das Schicksal eines jeden Anfängermodells ist der Absturz, das gehört dazu!
    Es gilt nur, den Flieger so auszuwählen das er möglichst viele Abstürze überlebt. Obwohl ich kein Fan von den ganzen Plastik- und Styropormodellen bin, ist das optimale Material für einen Anfängerflieger EPP (Expanded Poly Propylen). EPP sieht ähnlich aus wie Styropor und wird auch eigentlich auf die gleiche Wiese hergestellt.
    Polypropylen ist ein sehr zähelastischer Kunststoff der in Form des EPP so zäh ist das man mit dem Auto über eine Tragfläche fahren kann ohne diese zu zerstören. Das Material verformt sich, geht aber wieder in seine Originalform zurück. Styropor bricht und reißt sehr leicht, EPP hält ein vielfaches mehr aus bevor es reißt. Es bildet auch keine Knautschungen und Dellen, da das Material immer wieder in seine Form zurück geht.
     
  4. Die Optik
    Natürlich muss uns unser Modell auch gefallen, aber das Aussehen ist am Anfang wirklich nicht der wichtigste Punkt. Was nützt es, ein wunderschönes Scale-Modell (vorbildgetreu) zu bauen, das auf Grund der schwierigen Flugeigenschaften nur ganze fünf Sekunden in der Luft bleibt und dann senkrecht im Boden steckt. Eine Reparatur -falls möglich- führt meistens dazu, dass die Originaltreue schnell dahin.
    Es wäre allzu schade, wenn der Modellflieger wegen dieser einen schlechten Erfahrung frustriert das ganze Hobby an den Nagel hängt, nachdem er Hunderte von Euro ausgegeben hat.
    Tut euch das nicht an! Geht nach den hier aufgeführten Kriterien vor und ihr werdet den größeren Erfolg haben.



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